leadership 5|18
Ein Plädoyer für 3D
Spreng Executive Business Coaching GmbH | Hans-Joachim Spreng
Wir Menschen haben’s geschafft: Keine Klima­zone, in der wir nicht siedeln, kein Ele­ment, in dem wir uns nicht be­wegen würden. Krach, Gestank, ein häss­licher Fleck? Wir ge­wöhnen uns dran – in Rekord­zeit. Wir sind die An­passungs­weltmeister. Warum das aber nicht immer eine gute Nach­richt ist, erklärt uns jetzt mal ein Lurch.
Anpassungsfähigkeit
‚Anpassungsfähigkeit‘ klingt wie ein Ge­winn, ‚Ab­stumpfung‘ wie ein Ver­lust. Und doch ver­bin­den beide Be­griffe über­raschend große Schnitt­men­gen. Das zwar tief zyni­sche, aber nichts­desto­trotz popu­lärste Bild dafür ist das vom Frosch im heißen Wasser: Wirft man ihn in ein Glas mit zu hoch tem­per­iertem Nass, hüpft er flugs her­aus. ‚Logisch‘, den­ken wir. Er­hitzen wir aber all­mählich das Wasser, in dem er sitzt, lässt er sich wider­stands­los tot­sieden. Nicht logisch, klar.
Leider aber machen wir selbst das oft ähn­lich: Treffen wir – etwa als Kandi­daten – auf eine Or­gani­sa­tion, die uns ab­stößt, machen wir auf dem Ab­satz kehrt. Ent­wickelt sich aber unser an­ge­stammtes be­rufliches Um­feld lang­sam, aber sicher ins Ne­gative, ver­harren wir gerne mal und hoffen auf Besserung: Hier kehrt sich un­sere formi­dable An­passungs­fä­hig­keit gegen uns.
 
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Craftwork of 2017

Chart of
the week

Eine Skulptur von Josef Beuys. Kaum ge­gen­ständ­lich be­kommen wir ge­nü­gend Zei­chen um den Titel „Berg­kö­nig“ nicht über­raschend zu fin­den. Warum ge­lingt es uns sonst weni­ger, Signale wahr­zu­neh­men, zu deuten und zu inter­pre­tieren?

inspiring & vernetzen
 
Die Singularität, der Moment, da die Ma­schine den Men­schen „er­kennt“, wer­den wir eher er­reich­en als wir den­ken. Nicht nur die KI wird bes­ser, son­dern unser Ge­hirn wird ein­fäl­tiger.

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Krokodilshirn
Der Frosch hat eine prima Aus­rede für derlei Un­fug: Er kann sich auf sein Mini-Hirn her­aus­reden. Das be­steht fast nur aus ei­nem klei­nen Limbischen Sys­tem, auch be­kannt als ‚Krokodils­hirn‘, zu­stän­dig für Reflex­haftes nach dem Motto ‘Fright, Fight, Flight‘. Mutige, kon­struk­tive Kogni­tion oder Intui­tion ist nicht die Stär­ke die­ses evo­lutionär äl­tes­ten Hirn­teils; wird das Umfeld nur lang­sam ge­nug feind­lich, wird kein Alarm aus­ge­löst – das Delta pro Zeit­ein­heit (∆) ist zu klein.

Präfrontaler Cortex
Unser Schädelinneres ist un­gleich besser aus­ge­stattet. Zum Bei­spiel mit dem prä­fron­talen Cortex – vulgo Schläfen­lappen. Dieser Benjamin unter den Denk­or­ganen kann intui­tive Pro­zesse re­geln oder ausbrem­sen, ris­kieren, inno­vieren und ana­ly­sieren. Der Prä­frontale Cor­tex hat alle Vor­aus­setz­ungen zum Leader – obwohl das Kroko-Hirn viel schnel­ler ist. Warnt letzteres den Feuer­wehr­mann angst­voll – „Lass das, Du wirst ster­ben!“ – vor dem Weg in die brennende Hütte, wird es vom prä­fron­tale Cor­tex souverän über­stimmt: „Das ist Dein Job – wer soll’s denn sonst machen? Ge­nau da­für bist Du trai­niert. Du wirst das Kind jetzt retten!“.

Delta pro Zeiteinheit
Der präfrontale Cortex ist tatsächlich tenden­ziell gut ge­launt, optimistisch, hoffnungsvoll. Das Limbische System rät nur zur Inter­vention, wenn harte, schnelle Ver­änder­ungen zum Schlechteren er­lebt werden – ein großes Delta pro Zeiteinheit. Auf schlei­chende Ab­stiege müssen wir ohne den Alarm aus dem Hirn­stamm rea­gieren. Das aber unter­lässt der Sonnyboy hin­ter un­seren Schläfen gern mal. Viel zu oft also harren wir aus, bis wir er­schöpft sind, Burn In oder Burn Out erleben, raus­ge­schmis­sen werden. Was tun.
Aufschreiben, Notizen, ein Tagebuch ist eine gute Idee. Wenn Sie bemer­ken, dass etwas lang­sam schlech­ter wird: Schreiben Sie auf, was Sie brauchen, wo Sie hin­wollen. Sie werden vielleicht noch immer die klei­nen Schritte zum Schlechteren tolerieren. Aber ein Blick auf Ihre Aufzeichnungen – etwa nach einem Mo­nat, einem Quartal – macht ein ungleich größeres Delta sichtbar: Das Krokodil schreit Alarm, Sie wer­den wach.

Autonomie
Wach, aufmerksam und geschmeidig mit Ver­änder­ungen werden und bleiben wir, je auto­nomer wir unsere indi­viduellen Bedürf­nisse, Werte und Priori­täten im Blick be­halten und diesen mutig Aus­druck verlei­hen. Menschen, die aus ihrer Biogra­fie heraus diszipliniert sind, die ge­gen eigenen Schmerz pro­duktiv blei­ben, haben es leichter. Hilf­reich ist es, ein Gefühl für eigene Bedürf­nisse zu kulti­vieren, ohne dabei ins Ego­zentrische ab­zu­glei­ten. Man kann lernen, Alter­nativen zu erhal­ten, sich nicht in exis­tenzi­elle Ab­hängig­keiten zu be­geben: Haben Sie zwei Berufs­ideen. Er­leben Sie sich als SchöpferIn der eigenen Bio­grafie. Re­flek­tieren Sie zy­klisch. Holen Sie sich Ihre Auto­nomie zurück, wenn sie ver­loren ging. Nichts spart so viel Zeit wie die Wahr­heit.

Dieser Text hat wie immer viele Vä­ter, Mütter und ist inspiriert von der Welt, in der wir leben, beobachtet von Chema Madoz und Josef Beuys; an­ge­nommen und zu­sammenge­stellt von Hans-Joachim Spreng. Neugierig? Rufen Sie uns an.